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Neubau von Hochwasserrückhaltebecken an Freiberger Mulde und Bobritsch

ICL Ingenieur Consult

Hochwasserschutz an der Freiberger Mulde

Das Osterzgebirge war in der Vergangenheit immer wieder von katastrophalen Hochwassern betroffen. Eines der größten war das Sommerhochwasser im August 2002. Es wurde im Erzgebirge durch extreme Regenmengen von über 400 Millimeter pro Quadratmeter in 72 Stunden ausgelöst. Die Schäden hier und in benachbarten Regionen waren verheerend.

Um für das Flussgebiet der Freiberger Mulde einen effektiven Hochwasserschutz zu erreichen, wurden die bestehende Hochwasserschutzgrade, sowie des Gefährdungs- und Schadenspotential, in diesem Gebiet umfangreich analysiert. Die Landestalsperrenverwaltung gelangte zur Schlussfolgerung, dass  die Anrainergemeinden im Flussgebiet von Freiberger Mulde und Bobritzsch von zukünftigen Hochwässern bedroht sind.

Für die Bobritzsch und die Freiberger Mulde wurden 2003 und 2004 umfangreiche Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet, die durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft bestätigt wurden. Erklärtes Ziel der hierin enthaltenen Maßnahmen ist der Schutz der Ortschaften an beiden Flüssen vor einem statistisch wiederkehrenden hundertjährlichen Hochwasserereignis. Für die Umsetzung der meisten Maßnahmen ist die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen (LTV) zuständig.

Die Hochwasserschutzkonzepte beinhalten einerseits örtliche Vorhaben, wie die Aufweitung des Abflussquerschnittes an Engstellen durch Herstellung von Uferböschungen und Deichen anstelle von Ufermauern, die Errichtung von Hochwasserschutzmauern in ausgewählten Bereichen, den Rückbau von Wehren oder die Wiederherstellung von Umflutbereichen.

Übersichtsplan Hochwasserschutzmaßnahmen

Andererseits ist vorgesehen, das Hochwasser durch Rückhalt in der Fläche mit Hilfe technischer Maßnahmen zu reduzieren. Hierzu werden mit  Hochwasserrückhaltebecken im Tal des Chemnitzbaches bei Mulda, ergänzt durch einen Hochwasserüberleitungsstollenvon der Freiberger Mulde in dieses Becken, und im Tal der Bobritzsch bei Oberbobritzsch Rückhalteräume geschaffen, mit denen Abflussspitzen erheblich vermindert werden.

Hochwasserrückhaltebecken Oberbobritzsch
Hochwasserrückhaltebecken Mulda mit Überleitungsstollen

Nur mit den geplanten Hochwasserrückhaltebecken Oberbobritzsch und Mulda mit Überleitungstollen in Verbindung mit örtlichen Maßnahmen kann das Schutzziel für die Gemeinden an der Freiberger Mulde und Bobritzsch erreicht werden. Die geplanten Beckenstandorte sind aus Sicht eines nachhaltigen Hochwasserschutzes am besten geeignet.

Bevor die Entscheidung für die Bauwerke gefallen ist, wurden aber auch weitere Möglichkeiten untersucht. Im bestätigten Hochwasserschutzkonzept sind noch 9 Standorte für Hochwasserrückhaltebecken enthalten. Diese wurde durch umfangreiche Untersuchungen und Optimierung des Systems auf 2 Beckenstandorte und den Überleitungsstollen reduziert. Auch der Eingriff in den Naturraum wurde damit erheblich gemindert.

Das Ergebnis aller Betrachtungen war, dass der angestrebte Hochwasserschutz mit keiner anderen zumutbaren Alternative erreichbar ist. Weder rein örtliche Schutzmaßnahmen, noch Aufforstung und geänderte Landwirtschaft im Einzugsgebiet kommen als geeignete und vergleichbar wirksame Alternative in Frage.

In ihrer Kombination reduzieren beide Stauanlagen den Scheitel eines hundertjährigen Hochwassers am Meldepegel der Freiberger Mulde bei Nossen um rund 30 Prozent. Dadurch können die Ziele des Hochwasserschutzkonzeptes erfüllt werden. Die Schutzwirkung ist auch noch weiter flussabwärts in den Städten Roßwein und Döbeln zum Teil vorhanden und kann bei den dort vorgesehenen örtlichen Hochwasserschutzmaßnahmen mit berücksichtigt werden.

Beide Bauvorhaben bedeuten wesentliche Eingriffe in das sensible Ökosystem des Naturraums Osterzgebirge und insbesondere der europäischen Schutzgebiete Bobritzschtal und Oberes Freiberger Muldental. Dessen ist sich die Landestalsperrenverwaltung bewusst, sieht aber keine andere Möglichkeit den Schutz von Leib und Leben und der Gesundheit der Bevölkerung als höchstes Rechtsgut und die öffentliche Sicherheit als übergeordnetes Ziel dieser Vorhaben zu gewährleisten. In gleicher Weise wurde das durch die Raumordnungsbehörden der Landesdirektionen Chemnitz und Dresden bewertet, die die Planung dieser Becken in diesen sensiblen Räumen nach intensiver Prüfung der möglichen Alternativen zu diesen Bauwerken im vorlaufenden Zielabweichungsverfahren für zulässig erklärten.

© ICL Ingenieur Consult 2011